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Kleines Lexikon der Alexandertechnik

 

Innehalten (Inhibition)
Richtung (Direction)
Wer war F. M. Alexander?

 

Innehalten (Inhibition)

Inhibition ist eine Entscheidung zur Präsenz. Und nur im Hier und Jetzt gibt es Entscheidungsmöglichkeit. Um die Natur des Innehaltens im Sinne der Alexandertechnik zu veranschaulichen, ist der interessante Versuch von Prof. Benjamin Libet geeignet, den er 1979 durchführte.
Versuchspersonen wurden aufgefordert selbstständig eine bestimmte Bewegung mit der Hand auszuführen und sich den genauen Zeitpunkt zu merken, an dem sie den Reiz zu dieser Bewegung gespürt haben (Sie hatten eine schnellaufende Uhr vor Augen). Der Zeitpunkt der tatsächliche Bewegung wurde durch Elektroden an der Hand aufgezeichnet. Der Reiz erschien etwa 250 ms vor der Bewegung.
Ausserdem wurde über Elektroden am Kopf gemessen, wann das zur Bewegung gehörende sog. Bereitschaftspotential erschien, ein schwacher elektrischer Strom im Gehirn, der anzeigt, dass die Bewegung vorbereitet wird. Die verblüffende Entdeckung war, dass jenes Bereitschaftspotential schon über eine halbe Sekunde vor dem Reiz zur Bewegung erschien. Das Gehirn bereitete also die Bewegung vor, bevor sich die Versuchsperson überhaupt bewusst war sich bewegen zu wollen.
Die Freiheit des Menschen liegt also nicht in der Entscheidung selbst, sondern darin einen aufkommenden Reiz entweder zuzulassen oder zu unterbinden. Denn wie der Versuch zeigte, hat der Mensch zwischen dem Bemerken eines Reizes und deren Ausführung 250 ms Zeit, in der er seine Freiheit wahrnehmen kann.
Inhibition fängt dort an, wo der Mensch  sich in die Lage versetzt, aufkommende Reize überhaupt spüren zu können. Inhibition ist eine Entscheidung zur Präsenz.

Richtung (Direction)

Jeder Teil eines Menschen hat eine bestimmte Ausrichtung. Nehmen wir als Beispiel die Arme . Ein Arm kann der Lebendigkeit des ganzen Körpers zuträglich sein, oder ihn durch seine Ausrichtung stören und schaden. In beiden Fällen kommen die Steuerbefehle für den Arm aus dem Gehirn. Führt der schlechte Gebrauch des Arms zu Schmerzen und anderen Beschwerden, wird meist ein wie auch immer gearteter Therapeut aufgesucht, der dem “Opfer” mit einer Manipulation zu helfen versucht. Doch diese führen meist nur zur vorübergehenden Erleichterung, denn das Gehirn feuert weiter unaufhörlich diejenigen Befehle zum Arm, die ihn in diesen desolaten Zustand versetzt haben.
Um diesen Teufelskreis zu unterbrechen, muss der Mensch erstmal innehalten (s.o.). Ist er präsent, können bewusst mentale Direktiven an den Arm gesendet werden, die geeignet sind, den Arm als Teil wieder in das Ganze zu integrieren, sodass er nicht mehr am Körper herunterzieht, sondern ihn unterstützt.

 Wer war F. M. Alexander?

F. M. AlexanderFrederick Matthias Alexander (geb. 1869 in Wynyard, Australien, gest. 1955 in London) war ein junger und talentierter Schauspieler mit einer besonderen Vorliebe für die Rezitation grosser Shakespeare-Monologe.
Schon kurz nach Beginn seiner Karriere bekam er ein erhebliches Problem: er begann unter Stimmschwierigkeiten zu leiden, die immer grösser wurden und regelmässig bei seinen Darbietungen auftraten. Medizinische Massnahmen und Sprechtraining brachten ihm nicht den gewünschten Erfolg. Er begann, selbst nach den Ursachen seines Leidens zu suchen. Er startete mit der These, dass er seine Schwierigkeiten selber verursachte und studierte systematisch und minutiös, was er eigentlich "tat", um zu sprechen. Hierbei entdeckte er wesentliche Grundlagen menschlicher Arbeits- und Funktionsweisen, die zuvor vollkommen unbekannt waren.  Er entwickelte neue Denkansätze und Arbeitsmethoden, die er auf die Bewegungen anwendete, die zum Sprechen nötig waren. Alexander hatte den gewünschten Erfolg: seine Stimmprobleme verschwanden vollständig und dauerhaft, und sein allgemeiner Gesundheitszustand verbesserte sich dramatisch. Er erlangte eine so vollkommene Stimmgebung und Kontrolle, dass Kritiker und Kollegen nur staunen konnten.
Die Fragen und Bitten seiner Schauspielkollegen sowie befreundeter Ärzte veranlassten Alexander, seine Erfahrungen und Erkenntnisse weiterzugeben. Ursprünglich war F. M. Alexanders Lehrtätigkeit beschränkt auf Unterweisungen in Atmung und Stimmproduktion. Jedoch stellte sich allmählich heraus, dass seine Erkenntnisse für viel mehr Anwendungsbereiche gültig waren. Die Lehrtätigkeit wurde mehr und mehr zu seinem hauptsächlichen Lebensinhalt. Er unterrichtete zunächst in Sydney und Melbourne, ab 1904 in London und den USA. Er arbeitete sowohl mit Erwachsenen, als auch mit Kindern. Seit den zwanziger Jahren bildete er Studenten dazu aus, seine Arbeit ihrerseits als Lehrer weiter zu vermitteln. Anfang 1931 startete Alexander den ersten regulären Trainingskurs für Lehrer seiner Arbeit.  Er setzte seine Unterrichtstätigkeit bis zum Ende seines Lebens mit grossem Erfolg fort. Durch die vielen von ihm ausgebildeten Lehrer wird die nach ihm benannte Alexandertechnik bis heute überall auf der Welt praktiziert und unterrichtet.

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letzte Aktualisierung: Januar 2012

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